Neue OZ online - 30.10.2006          

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Ressort / Ausgabe: Ems-Zeitung
Veröffentlicht am: 30.10.2006
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Glückliche Kühe leisten mehr
wa Surwold/Wippingen.

Auf dem Milchforum der Weser-Ems-Union informierten sich fast 500 Landwirte über aktuelle Trends und die Zukunftsaussichten in der Milchviehbranche. Die Vortragsveranstaltung fand im Kommunikationszentrum "Alter Bauhof" in Surwold statt.

Dr. Theodor Seegers, Ministerialdirektor im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und Leiter der Abteilung Agrarmärkte in Berlin, erläuterte die politischen Rahmenbedingungen der Milcherzeuger. Der Milchmarkt habe sich im laufenden Jahr aufgrund von Bestandsabbau und gleichzeitig höherer Nachfrage stabilisiert, sagte der Fachmann. Dennoch: "In den nächsten Jahren wird es im Außenhandelsbereich schwieriger werden", war sich Seegers sicher.

Swing-Over-MelkstandMilcherzeuger und Politiker hätten sich auf diese Situation vorzubereiten. Um gut gerüstet zu sein für eine von der EU geplante Überprüfung der Marktordnung im Jahr 2008 habe Minister Horst Seehofer bereits Vertreter aller Mitglieder der Milchkette für Anfang November zu einem Gespräch nach Berlin geladen. "Im Herbst 2007 muss Deutschland eine abgestimmte Position vertreten", so Seegers.

Über das Abc der Milchviehhaltung referierte Dipl.- Ing. agr. Christiane Brandes vom InnovationsTeam aus Heiddorf. "Kuhkomfort bringt mehr Milch", so brachte sie ihre Ausführungen auf den Punkt. Ziel solle es sein, dass die Kühe möglichst lange liegen, sagte Frau Brandes. "Damit ist eine um bis zu acht Prozent höhere Milchleistung zu erreichen", versprach sie. Beim Stallbau sei dem zum Beispiel durch tiefe, eingestreute und entsprechend groß dimensionierte Liegeboxen Rechnung zu tragen. Wichtig seien auch viel frische Luft im Stall sowie saubere und gut zu erreichende Fressplätze. Außerdem empfahl sie bei Neubauten ein separates Melkhaus.

Dr. Roger J. Busch vom Institut Technik, Theologie und Naturwissenschaften der Universität München ging auf die oftmals spannungsgeladene Beziehung zwischen Landwirt und Verbraucher ein. "Den Tierhaltern wird die moralische Integrität abgesprochen", sagte er. Dennoch seien es die Landwirte, die sachgemäß und zutreffend über Tierhaltung informieren könnten. "Laien verstehen nur wenig von der Materie", gab er zu bedenken.

Dennoch sollten die Vorbehalte nicht einfach beiseite geschoben werden. "Der Kern der Signalbegriffe muss erkannt und konstruktiv aufgenommen werden, der Landwirt muss dem Verbraucher zuhören", forderte Busch. Außerdem betonte er die moralische und rechtliche Verantwortung des Tierhalters für das Wohlergehen seiner Nutztiere.

Ergänzt wurde die Vortragsveranstaltung von einem Tag der offenen Hoftür auf dem Milchviehbetrieb von Familie Hempen in Wippingen. 85 Kühe haben den neuen Boxenlaufstall mit offener Front im April bezogen. Johannes Hempen, der 26-jährige Betriebsleiter, plant die Aufstockung auf 120 Tiere. Seine Eltern packen auf dem Betrieb noch mit an. Die durchschnittliche Milchleistung seiner Herde beträgt 10600 Kilogramm pro Kuh im Jahr. Besonderheit auf dem Betrieb war der so genannte Swing-Over-Melkstand. Hierbei ist die Melktechnik über Kopf in der Mitte der Melkgrube installiert. Jeweils eine Melkeinheit wird mittels Drehelement für zwei gegenüberliegende Melkplätze genutzt. Hempen, der diese Technik vorher selbst in den Niederlanden getestet hat, ist mit dem Melkstand sehr zufrieden: "Eine Person kann hierbei sehr viele Kühe melken, und die Eutergesundheit stimmt auch."

4200 Mitgliedsbetriebe

Die Weser EmsUnion ist eine eingetragene Genossenschaft mit knapp 4200 Mitgliedsbetrieben. Die Züchtervereinigung kümmert sich um die Zucht und Vermarktung von Rindern. Das Milchforum, das in diesem Jahr zum zehnten Mal stattfand, wird abwechselnd in Oldenburg, Südoldenburg oder im Emsland ausgerichtet. Die Vortragsveranstaltung wird mit einem Tag der offenen Tür auf einem Mitgliedsbetriell, kombiniert. Eine begleitende landwirtschaftliche Ausstellung bietet Infos zur Landwirtschaft.

 

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