![]() |
Die Diskussion geht weiter
Genkartoffeln Im emsländischen Werpeloh sind erneut
gentechnisch veränderte Kartoffeln zu Versuchszwecken ausgepflanzt worden. Grund genug
für den NABU, zu einer Diskussionsrunde einzuladen. Eines wird dabei deutlich: Eine
Annäherung zwischen den Positionen ist nach wie vor schwierig.
Hochrangige
Experten konnte der Naturschutzbund Deutschland (NABU) für eine Informationsveranstaltung
zur Gentechnik ins Emsland holen. Dr. Steffi Ober, Gentechnikexpertin vom NABU
Bundesverband aus Berlin, und Dr. Matthias Pohl, Wissenschaftler der BASF Plant Science im
Limburgerhof, waren neulich zu Gast in der Jugendbildungsstätte Marstall Clemenswerth in
Sögel.
Der Zeitpunkt war gut gewählt. Laut Angaben von BASF Plant Science wurden just an diesem Tag die gentechnisch. veränderten Kartoffeln mit der erhöhten Schädlingsresistenz in Werpeloh gepflanzt. Kurz zuvor hatte die Firma eine erneute Genehmigung für die bundesweit an verschiedenen Standorten geplanten Versuche erhalten.
Steffi Ober vom NABU wies besonders auf die Ablehnung der Gentechnik in der EU Bevölkerung hin und kritisierte die Förderung der Gentechnologie mit Steuermitteln. Gut 80 % der Verbraucher in der EU seien dagegen; dies gelte nun auch für Großbritannien, wo sich zuvor noch 50 % der Verbraucher für Gentechnik ausgesprochen hätten.
Auch in den neuen, osteuropäischen EU Staaten ist die Ablehnung nach Obers
Informationen groß und die staatlichen Stellen schränkten die Versuche stark ein. Bis zu
35 km Abstand zu Naturschutzgebieten müssten den eingehalten werden. Ganz anders dagegen
in Deutschland.
Hier würden gentechnisch veränderte Pflanzen in Brandenburg und Sachsen sogar direkt in
Schutzgebieten freigesetzt. Neue Forschungsergebnisse zeigten aber die Gefahr für die
Natur. So habe sich nun bestätigt, dass insbesondere Bienen durch Genpflanzen gefährdet
seien.
Genau entgegengesetzt argumentierte Matthias Pohl von der BASF, dem nach seiner Darstellung weltweit führenden Unternehmen in der Gentechnik. Selbstbewsst und offensiv lobte er deren Vorteile. ,.Bisher ist kein Fall bewiesen, in dem von genehmigten Versuchen irgendwelche Gefahren ausgegangen sind", so Pohl. Anders lautende Angaben seien Horrormeldungen ohne Beweise.
Nach seiner Meinung kann sich Deutschland nicht von der weltweiten Entwicklung ausgrenzen. Aber viel zu hoch seien hier die Auflagen der Behörden. Dazu kämen unbegründete Verzögerungen bei der Zulassung von ausreichend geprüften Genpflanzen. Wir haben eine Kartoffel seit über zehn Jahren in einem Zulassungsverfahren und immer wieder werden die gleichen Fragen gestellt, die längst beantwortet sind", klagte Pohl. Dies sei verantwortungslos, da nach seiner Meinung die Ernährungsprobleme der Welt nur mit der Gentechnik gelöst werden können. Insbesondere die große Nachfrage in China werde einen Bedarf erzeugen, der ahne Gentechnik nicht zu decken sei.
So ging die angeregte Gentechnik Diskussion noch einige Zeit unter Beteiligung des Publikums weiter. Schade nur, dass an diesem Abend keine Jugendlichen den Weg in die Jugendbildungsstätte gefunden hatten.
Land und Forstvom 10.05.2007/Dr. Johann Müller