Militärische Flugshows, die Verantwortung der Führung und die alten Römer
- Der Schuldige
Die Midair-Kollision der beiden F18 während der IDAHO-Flugshow hat wieder eine öffentliche Diskussion über die Schuldfrage ausgelöst. „Treffliche Analysen von „Experten“ haben schnell wieder einen Schuldigen gefunden. Deren Urteil kumuliert in der Feststellung, dass die Ursache in einem Anfängerfehler des Nr. 2 Piloten zu finden sei. Die Annäherung an das Führungsflugzeug, um in eine enge Formation überzugehen, sei von Anfang an unprofessionell und gefährlich gewesen. In der Endphase hätte er Sichtkontakt verloren, was zum Zusammenstoß führte.
- Fakten
Als jemand, der jahrelang diese Fliegerei täglich betrieben hat, für den ist das Aufschließen in eine enge Formation nach einer Mission, um nach Hause zu fliegen, Routine. Dabei gelten unumstößliche Regeln, die jeder in diesem Beruf verinnerlicht hat. Eine Regel ist: At all times keep everybody insight. Das gilt besonders dann, wenn andere Flugzeuge in einen Bereich von 500 Fuß (150 Meter) um das eigene Flugzeug einfliegt. Dazu gehört auch zu lesen, was er macht. Man nennt das Situation Awareness.Das Standard Aufschließen in eine enge Formation geschieht daher immer aus einer Position, bei der die Besatzung des Führungsflugzeug das aufschließende Flugzeug sieht. Die befindet sich in einem Winkel von ca. 45 Grad hinter und etwas tiefer zum eigenen Flugweg. Das Anfliegen von hinten und oberhalb des eigenen Flugweges, wie im vorliegenden Unfall, nimmt der Besatzung des Lead-Flugzeuges jede Situation Awareness. Das Gleiche gilt für den 2. Piloten des anfliegenden Flugzeuges, der sich im Rücksitz befindet. Der sieht das Führungsflugzeug nicht mehr, weil es durch die Nase des eigenen Flugzeuges verdeckt wird. Der einzige, der im vorliegenden Unfall noch Situation Awareness hatte, war der Pilot des anfliegenden Flugzeuges.
- Menschliche Ursachen
Geht man davon aus, dass diese Form des Aufschließens in eine enge Formation geplant war und auch geübt wurde, bleibt nur noch eine Verquickung von außergewöhnlichen Ursachen. Der Pilot der anfliegenden Maschine war durch Krankheit (zum Beispiel einer Erkältung) körperlich nicht fit und/oder der Pilot der Führungsflugzeuges hat wegen mangelnder Situation Awareness einen Kurvenflug in den angenommenen Flugweg der anfliegenden Maschine eingeleitet (um zu unterstützen), wodurch der anfliegende Pilot Sichtkontakt zu ihm verlor. In der kritischen Endphase verschwand das Führungsflugzeug unter seiner Nase. Damit war der Zusammenstoß unvermeidlich. -
- Die eigentliche Ursache - Führung
Ein Flugunfall hat nie eine einzige Ursache. Dem auslösenden Piloten die Schuld zu geben ist billig. Führung, Ausbildung und für sog. Fighter Pilots typische Motivation des „Can Do!“ sind die eigentlichen Ursachen, was wiederum auf eine alleinige Ursache hinweist. Führung. - Was bleibt ist die Erkenntnis, dass Menschen fehlerhaft sind. Sie dafür zu verurteilen ist billig.
- Die Fragwürdigkeit von Militärischen Flugshows
Vielleicht sollte man auch einmal überlegen, ob Flugshows mit Kampfjets wirklich notwendig sind. Verteidigungsbereitschaft in einem Zirkus demonstrieren, der immer wieder Menschenopfer fordert (siehe Ramstein 1986), soll Macht, Stärke und Heldentum transportieren. Diejenigen, die den Beruf als Kampfjetpilot ernsthaft ausüben, brauchen das nicht. Vielleicht brauchen es andere, wie die, die Kampfflugzeuge verkaufen wollen und die, die gerade Luft-Krieg als legitimes Mittel der Politik ansehen, um Interessen zu verfolgen (Iran). Dafür braucht man die Zustimmung des Volkes. Ein Zirkus ist ein bewährtes Mittel, um sie zu bekommen. Die spinnen, die Römer, sagten einst Asterix und Obelix. Trotzdem kopiert man sie bis heute. Ihr bewährtes Mittel „Panem et Circenses“ (Brot und Spiele) ist in den militärischen Flugshows von heute schon längst Kultur geworden. [Ulrich Scholz/erstveröffentlicht auf Ulrichs Newsletter]
























